Der Gemeindebrief

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Die Glocke - Ausgabe 1-2017 (7Mb)


Reformationsjubiläum – ein Grund zur Freude

 

Liebe Leser!

„Nun freut euch, lieben Christen g’mein“ – so dichtet Martin Luther. Sein Lied ruft uns Christen 500 Jahre nach dem Thesenanschlag zur Freude auf.

Freuen können wir uns nicht nur, weil Luther uns am 31. Oktober 2017 einen einmaligen, gesetzlichen Feiertag beschert.
Freuen können wir uns nicht nur auf Veranstaltungen wie „Play Luther“, die geistliche Abendmusik, den Festgottesdienst am Reformationstag, das Musical zu Luther, und die vielen Veranstaltungen.

Freuen können wir uns vor allem über die Erkenntnis Luthers, die uns bis heute immer wieder neu zum Nachdenken anregt und unseren (Glaubens-)Alltag bestimmen kann.
Die Erkenntnis lässt sich in vier Kernpunkte zusammenfassen:

1. Allein Christus

Luther hat die Frage umgetrieben: „Wie ist Gott?“ Das Grübeln darüber hat ihm so manche schlaflose Nacht bereitet. Der Schlüssel zur Antwort liegt, so erkannte er, in Jesus Christus. In ihm kann man Gott ins Herz sehen. Er ist der „Spiegel des väterlichen Herzens“ wie Luther sagt. Durch ihn zeigt uns Gott, wie sehr er alle Menschen liebt und dass er niemand verloren geben will.

Vielleicht motiviert uns dieses Jahr, uns neu mit Jesus zu beschäftigen: Wer war er? Wie lebte er? Was sagte er? Was tat er?

2. Allein aus Gnade

Luther hat auch die Frage beschäftigt, was wir tun müssen, um Gottes Liebe zu erleben.
Er wusste, dass wir Menschen seine Liebe nicht verdient haben, weil wir immer wieder an ihm und anderen schuldig werden. Er wollte dieser Schuld durch harte Arbeit, durch frommes Leben in Gebet und Andacht, durch Selbstanklage und Selbstbestrafung etwas entgegensetzen. Er hat versucht, es Gott recht zu machen, erkannte aber, dass dies nicht reicht und auch nicht geht. Erst durch das Studium des Römerbriefes verstand er: Ich muss es Gott gar nicht recht machen, ja ich kann es ihm gar nicht recht machen. Er schenkt mir seine Liebe, ohne dass ich es verdient habe. In Jesus nimmt er meine Schuld auf sich. Er macht mich recht! Das ist Gnade! Das ist das unverdiente Geschenk Gottes an mich.

Das möchte ich mir in diesem Jahr sagen lassen: Es ist schon alles getan. Du musst es Gott und anderen nicht beweisen. Du kannst deinem Heil nichts hinzusetzen. Nimm Gottes Liebe an und gib ihr Raum in deinem Leben!

3. Allein das Wort

Diese Gnade kann ich mir selbst nicht zusprechen. Sie muss mir von außen zugesprochen werden und sie wird mir zugesprochen durch Gottes Worte in der Bibel.
Luther haben vielfach andere Stimmen und Worte bestimmt und verunsichert. Worte von Päpsten, Konzilen und Kirchenfürsten. Was aber war Gottes Wort und Wille?
Für Luther stand fest: Die Worte der Bibel stehen über den Worten die Menschen machen.
Denn durch sie spricht Gott in unser Leben hinein. Wichtig dabei ist jedoch, nicht „ein Wort herauszuzwacken und darauf pochen, man muss die Meinung des ganzen Textes, wie er aneinanderhängt, ansehen“ (Luther). Die Schrift muss daher von ihrer Mitte (von ihrer frohen, befreienden Botschaft) her verstanden werden.

Vielleicht nehmen Sie sich vor, die Bibel in diesem Jahr öfter in die Hand zu nehmen um zu lesen? Lassen Sie die Worte auf sich wirken? Vielleicht spüren sie dabei: Dieses Wort ist wahr. Es ist ganz aktuell und spricht hinein in mein Leben.

4. Allein der Glaube

Das Wort weckt Glauben. Glauben kann man nicht „machen“. Der Glaube ist nach der Auffassung der Reformatoren auch nicht eine freie Entscheidung des Menschen. Der Glaube wird von Gott, vom Heiligen Geist, gewirkt. Damit Gott in uns Menschen wirken kann, braucht es aber das Wort, das Evangelium. Und es braucht die Bitte, dass Gott den Glauben dazu schenkt. Wem dieser Glaube geschenkt ist, der will Gottes Liebe in seinem Leben Raum geben und nach Gottes Wort leben und handeln. Er sucht die Gemeinschaft mit anderen und will die erfahrene Liebe leben und weitergeben.  

Vielleicht braucht es in diesem Jahr mehr solcher Gebete, die darum bitten, dass Gott den Glauben in uns und bei anderen weckt.

 

In Vorfreude auf das Jahr des Reformationsjubiläums, indem wir auch gleichzeitig die Stadtgeschichte vergegenwärtigen, grüßt Sie,
Ihr
Pfarrer Timo Stahl