Martinskirche in Dornstetten

Martinskirche in Dornstetten


Gottesdienst am: 20.5.2012
Sonntag: Exaudi
In Dornstetten
Text: Joh.15,1-8
Thema: Wie die Reben
 
Der wahre Weinstock
Jesus sagt:
15,1 Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner.
2 Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe.
3 Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.
4 Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt.
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.
6 Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer und sie müssen brennen.
7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.
8 Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.
 
Liebe Gemeinde,
Zunächst zum Bild, das uns Jesus hier vor Augen malt:
Bild 1: Rebe am Weinstock
Wir leben leider nicht in einem Weinbaugebiet und vermutlich werden unsere neuen Konfis die Begriffe kaum unterscheiden können. Für euch als Verstehenshilfe:
Auf dem Bild hier seht ihr, was der Weinstock ist: ein knorriger, dicker Wurzelstock, fest verankert im Boden. Er verjüngt sich in eine dünne Rute. Diese nennt der Winzer Rebe. Und daran hängt schließlich als Frucht die Weintraube.
Jesus sagt: Ich bin der Weinstock - ihr seid die Reben. Die Reben sind untrennbar mit dem Weinstock verbunden. Sie beziehen allen Saft und alle Kraft aus ihm.
Aber der Weinstock darf nicht zu viele Reben haben. Die Winzer schneiden im Herbst fast alle ab. Nur vier lassen sie stehen, zwei nach jeder Seite, damit an ihnen im nächsten Frühjahr wieder neue Weintrauben wachsen. Darum wird ständig nachgeschnitten. Alle überflüssigen Triebe müssen weg. Denn bleiben zu viele Reben stehen, dann rauben sie einander den Saft und die Trauben bleiben mickrig und klein. Die Weintrauben aber sollen doch schön saftig und groß werden.
 
Der Weinstock, liebe Konfis, liebe Gemeinde, ist ein Bild für ein fruchtbares, erfülltes Leben, für Lebensfreude und Lebenskraft. So soll dein Leben auch sein, will uns Jesus mit diesem Bild sagen.
Es lässt sich gut auf unser Leben übertragen. Es erinnert uns daran, dass wir nicht allein auf der Welt sind, sondern immer irgendwie andere schon vor uns da waren, denen wir unglaublich viel verdanken.
An eure Eltern denke ich da, liebe Konfis. An eure Paten, Großeltern, Geschwister - an alle Menschen, mit denen ihr zusammenlebt und die euch wichtig sind. Sie haben euch die ersten Worte beigebracht und euch bei euren ersten tastenden Schritten ins Leben Sicherheit gegeben. Ihr teilt mit ihnen viele fröhliche Erinnerungen und lustige Begebenheiten. Aber auch schwierige Situationen, die ihr miteinander durchgestanden habt - Krankheiten, Kummer, Trennungen, Enttäuschungen...
 
Wie der Weinstock Kraft und Lebenssaft an seine Reben weitergibt, so haben eure Eltern, eure Paten und andere wichtige Menschen euch etwas weitergegeben –  von ihrer Liebe, ihrem Vertrauen, ihrem Glauben, ihrer Kraft. Das macht euch stark und fröhlich und lebenstüchtig. Das lässt so manche schöne Frucht heranwachsen...
 
Heute ist ein guter Zeitpunkt, das alles einmal anzuschauen. Ein guter Zeitpunkt, sich zurückzuerinnern. Ein guter Zeitpunkt auch, "danke!" zu sagen. Bei den Eltern, Paten und Großeltern für all ihre Liebe, Mühe und Sorge. Bei den Kindern für die viele Freude, die sie einem doch gemacht haben. Und ich meine, auch bei Gott, der Eltern und Kinder einander geschenkt und bisher auf ihrem Weg begleitet hat – auch in schweren Zeiten und durch finstere Täler hindurch…
 
Das Bild vom Weinstock, liebe Konfis, liebe Gemeinde – passt gut zu unserem Leben, zu den Beziehungen, die uns miteinander verbinden.
Und nun nimmt Jesus das Bild auf und gebraucht es auch für die Beziehung zwischen Gott und den Menschen: Jesus sagt: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht.“
 
Drei Wünsche, Bitten oder Verheißungen verbindet Jesus mit diesem Bild für seine Gemeinde. Sie gelten den Menschen, die eng mit ihm verbunden leben, seinen Freunden, Jesus sagt auch: seinen Jüngern. Er sagt:
Wenn ihr so eng verbunden mit mir lebt, wie eine Rebe mit dem Weinstock verbunden ist,
- werdet ihr den Vater verherrlichen
- werdet ihr Frucht bringen
- und werdet ihr für immer in mir bleiben.
 
Ihr werdet den Vater verherrlichen. Jesus spricht von Gott als seinem Vater. Einzigartig ist das in allen Religionen der Welt. Dass Gott unser Vater ist, traut sich sonst kein Religionsstifter zu sagen. „Abba“, sagt Jesus in seiner Sprache, das ist die vertraute Anrede des Kindes für seinen Papa.
In jüdischen Ohren klingt das schon aufregend und kühn. Gott ist doch der Schöpfer, der König und Herr der Welt. Er ist hoch erhaben über uns. Ich, Mensch, bin ihm gegenüber winzig und klein.
Doch Jesus sagt: Du darfst zu Gott „Papa“ - Vater - sagen. So eng darfst du dich mit ihm verbunden wissen. Und alle, die es genauso machen wie du, gehören mit dir zu einer Gemeinde zusammen. Ihr seid untereinander Brüder und Schwestern, weil ihr denselben Vater habt. Ihr seid einander nicht piep egal. Ihr seid einander keine Holzklötze, die fremd und gefühllos neben einander her leben. Denn der Glaube an Jesus schenkt dir eine Großfamilie, Väter und Mütter im Glauben, Geschwister, die dir weiterhelfen und für dich da sind. Menschen, die dich mit ihrer Christusbeziehung reich beschenken.
Der Glaube an Jesus ist es, der euch alle trägt. Der Glaube an Jesus macht euch zu Kindern Gottes. In seinem Namen dürft ihr zu Gott kommen und mit ihm reden wie Kinder mit ihrem Vater.
Wir dürfen sagen: Vater unser im Himmel. Lieber Papa da oben im Gotteshimmel. Wir dürfen unser Herz bei ihm ausschütten mit allem, was uns bewegt und berührt. Jeden Kummer, jede Freude, alle unsere Sorgen können wir bei ihm abladen - und dabei entdecken: Andere tun das auch. Und das tut so gut. Da braucht sich keiner zu schämen, wenn er die Hände faltet, denn alle tun das.
Jesus sagt: So verherrlicht ihr den Vater.
Ich würde das Wort „verherrlichen“ für mich so übersetzen: Wir machen ihm Freude. Sein Herz jubelt, wenn wir vertrauensvoll wie Kinder uns an ihn wenden, seine Nähe suchen, uns bei ihm geborgen wissen.
Ihr werdet den Vater verherrlichen. Das ist der erste Wunsch, die erste Verheißung in diesem Jesuswort.
 
Und das zweite: Ihr werdet Frucht bringen.
Christsein ist kein Selbstzweck. Das macht Jesus mit diesem Bild ganz deutlich. Christen leben in einer ganz engen Beziehung zu Jesus - und das bleibt nicht ohne Folgen.
Wer wie eine Rebe am Weinstock ganz eng mit Jesus verbunden ist, der spürt seinen Geist, den Geist Gottes in sich. Das ist der Pulsschlag des Glaubens, der Herzschlag seiner Liebe zu uns, die tiefe innere Kraft der Hoffnung.
Christen leben eigentlich immer in einer Dreiecksbeziehung: zuerst zu Jesus, dann zu anderen Christen - und dann aber auch zu den Menschen, die Jesus noch nicht kennen. Christen leben eine tiefe, enge, persönliche Freundschaft zu Jesus und kennen durch ihn den Vater höchstpersönlich. Sie leben darum auch in einer Gemeinde wie Brüder und Schwestern zusammen: helfen sich gegenseitig, sorgen füreinander, kümmern sich, setzen sich füreinander ein. Und Christen tun darüber hinaus das, was Jesus ihnen aufgetragen hat: den Dienst der Liebe an den Menschen, die Jesus noch nicht kennen.
Das versteht Jesus unter: Frucht bringen, diese Dreiecksbeziehung in einer guten Balance zu halten. Denn Christen, die sich nur im stillen Kämmerlein mit Gott beschäftigen, fehlt der Bezug zu andern. Christen, die nur in ihrer engen Wohnzimmer-Atmosphäre sich aneinander kuscheln, fehlt der Bezug zur Welt. Christen, die sich immer nur aufopfern im Dienst für andere, fehlt irgendwann die Kraft dafür, wenn sie nicht immer wieder auftanken kommen im Gottesdienst und in der christlichen Gemeinde.
Ihr werdet den Vater verherrlichen, sagt Jesus, ihr werdet Frucht bringen, und nun noch die dritte Verheißung:
 
Ihr werdet in Jesus bleiben.
So selbstverständlich ist das gar nicht. Ich treffe immer wieder auf Menschen, die sagen: Kirche ist ein alter Hut. Ich brauche euren Gott nicht und ich brauche auch die Kirche und den Gottesdienst nicht. Sie alle wurden irgendwann getauft und konfirmiert, haben aber nichts draus gemacht. Haben ihren Glauben vertrocknen lassen.
Jesus sagt: „Das ist schade. Aber ich will sich damit nicht abfinden.“ Er sagt: „Du kannst deinen Glauben neu entdecken. Du kannst ihn wieder fruchtbar machen, wenn du dich wie eine Rebe wieder einpflanzen lässt in den Weinstock Jesus Christus.“ Spür seine Kraft. Schmeck seinen Geist. Lass dich inspirieren zu geistlichem Wachstum. Entdecke neu die Möglichkeiten, die Gott dir schenkt, seine Gaben, seinen Reichtum, seine Güte, seinen Frieden. Gott will, dass dein Leben reife Frucht bringt.
Ich will mich dafür stark machen, dass wir uns als neue Konfi-Gruppe, als Eltern und auch als Gemeinde neu für Jesus aussprechen. Dass wir uns zu ihm bekennen und die enge Verbindung mit ihm suchen - so wächst unser Glaube, so wachsen Liebe und Hoffnung zur Freude Gottes bei uns heran, und so wächst schließlich auch Gemeinde. Dann wird sich das Versprechen von Jesus Stück für Stück an jedem von uns erfüllen:
„Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben, wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht. Denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ Amen
 
Lied: 619,1-4 Du bist der Weg und die Wahrheit


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