Die Bedeutung der Glocken und deren Läutezeiten


Der wichtigste Dienst der Glocken war und ist bis heute:

  • äußerlich das Sammeln der Gemeinde zum Gottesdienst und 
  • innerlich der Ruf zur Sammlung bei der Andacht.

Die Glocken erinnern stets an die wichtigste Aufgabe der Christen: das regelmäßige Gebet.

Die Läutezeiten gehen auf das kirchliche Stundengebet zurück, das bis heute in katholischen Klöstern aber auch in evangelischen Bruder- und Schwesternschaften geübt wird.
 
 
1) Morgenläuten um 6 Uhr
Es geschieht mit der Kreuzglocke, der zweitgrößten Glocke. Der erste Glockenruf ertönt morgens um sechs Uhr bei Tagesanbruch zur Stunde der Auferstehung von Christus. Er erinnert auch an das Verhör von Jesus durch Pontius Pilatus.
 
E: Die Nacht ist vergangen, der Tag ist herbeigekommen. Lasset uns wachen und nüchtern sein und abtun, was uns träge macht.
A: Wir wollen uns an Gott, dem Schöpfer, freuen vom ersten Morgenlicht bis zur Ruhe der Nacht. Wir wollen Jesus Christus, unserem Erlöser, vertrauen im kleinen wie im großen. Wir wollen auf den Heiligen Geist, unseren Begleiter, hören und Gott loben durch Gedanken, Worte und Werke.

E: Herr, lass unsere Füße sichere Tritte tun. Dein Wort geleite uns auf allen unseren Wegen.
 
2) Neun-Uhr-Läuten (heute bei uns nicht mehr üblich)
Es erinnert an die Geißelung von Jesus und an die Krönung mit den Dornen. Es geschieht mit der Kreuzglocke, der zweitgrößten Glocke.
 
3) Elf-Uhr-Läuten
Das Elf-Uhr-Läuten geschah ursprünglich als Erinnerung an den Einbruch der Finsternis zur Stunde der Kreuzigung. Es geschieht mit der Kreuzglocke, der zweitgrößten Glocke.
 
4) Das 12-Uhr-Läuten
Es hat seinen Ursprung nicht unmittelbar in der Leidensgeschichte von Jesus. Es wurde vielmehr von Kaiser Karl V. zur Zeit der großen Türkengefahr 1529 als Bet-Läuten um den Frieden in der Welt und um Abwendung der Türkengefahr verfügt. Es hat bis heute seine Bedeutung als Ruf zum Friedensgebet behalten. Das 12-Uhr-Läuten ist der Gloriosa, der größten Glocke vorbehalten.
 
5) Das 15-Uhr-Läuten
"Aber um die neunte Stunde (= 15 Uhr) neigte Jesus das Haupt und verschied." Das Läuten um 15 Uhr gilt dem Gedächtnis der Todesstunde Jesu. Es geschieht mit der Kreuzglocke, der zweitgrößten Glocke.
 
6) Das Vesperläuten um 16 Uhr
Während der Sommerzeit wird das Läuten in vielen Gemeinden von 15 Uhr auf 16 Uhr verschoben. Hier erinnert es an die Kreuzabnahme Christi. Es geschieht mit der Kreuzglocke, der zweitgrößten Glocke.
 
7) Abendgebet-Läuten (um 18 Uhr, mancherorts im Winter auch um 19 Uhr oder im Sommer um 20 Uhr)
Zur Zeit des Einbruchs der Dunkelheit. Es geschieht mit der Kreuzglocke, der zweitgrößten Glocke.

Das Abendgebetläuten beim Einbruch der Dunkelheit, im Sommer früher, im Winter später, gilt dem Gedächtnis der Grablegung Christi. Es ermahnt die Gläubigen zugleich daran, an ihre eigene Vergänglichkeit zu denken, und an das Ende der Welt. "Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi."

In manchen Gemeinden heißt dieses Abendgebet-Läuten auch "Aufa-Märga-Läuten". Dieser Ausdruck geht zurück auf die Bezeichnung "Ave-Maria-Läuten", wie es heute noch in der katholischen Kirche genannt wird. Damit ist die Aufforderung verbunden, zu dieser Gebetszeit ein "Ave Maria" zu sprechen.
 
8) Den Sonntag einläuten
Nach altwürttembergischem Herkommen werden die Sonn- und Feiertage durch das Geläute der drei kleinen Glocken, die Festtage durch das volle Kirchengeläute am Abend zuvor (in der Regel am Samstag um 18 Uhr) eingeläutet. Es zeigt an, dass der Sonntag, der Tag des Herrn bevorsteht und die Christen sich vorbereiten sollten, den Tag würdig zu begehen.
 
9) Die Läutezeiten zum Gottesdienst
Eine Stunde vor Beginn des Gottesdienstes wird mit der dritten Glocke zum ersten Mal geläutet, eine halbe Stunde vorher mit der zweiten Glocke ein zweites Mal. Der Gottesdienst beginnt schließlich mit dem Zusammenläuten aller Glocken. Es dauert "eine halbe Viertelstunde" lang.

Findet während des Gottesdienstes eine Taufe statt, so läutet während des Taufvorgangs die Taufglocke. Das Vaterunser-Gebet der Gemeinde wird mit der Betglocke begleitet, damit auch die zu Hause gebliebenen mit einstimmen können in das große Kirchengebet.
 
10) Der Stundenschlag
Die Zeitansage der Glocken ist nicht nur eine nützliche Einrichtung um zu wissen "was die Stunde geschlagen hat". Es mahnt uns an die Vergänglichkeit der Zeit, sagt uns, dass auch uns einmal "unsere Stunde schlägt". Dennoch dürfen wir wissen: "Meine Zeit steht in Gottes Händen."
 
 
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