Mit Christus durch die Zeit

Bild: Fritz Söllner

Im Jahr 2010 konnte die Martinskirche in Dornstetten auf ihr 600-jähriges Bestehen zurückblicken. An der Ostseite der Sakristei ist ein Grundstein eingelassen, der die Jahreszahl 1410 trägt. Er ist nicht das älteste steinerne Dokument, das wir von der Martinskirche haben, aber das älteste, das sich einem bestimmten Jahr zuordnen lässt.

Die Martinskirche blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. 1410 erhielt sie im Wesentlichen ihre Grundgestalt, die sie bis heute hat. Aus dieser Zeit stammen die Sakristei, der schöne gotische Chor und möglicherweise auch schon der massige Westturm, wenn dieser nicht erst 1490 angegliedert wurde. Auf diese Jahreszahl weist ein Grundstein am Nordportal des Turms hin.

Seit 1534 ist die Kirche evangelisch.

 Am 8. Mai 1676 traf die Stadt und ihre Kirche ein verheerender Brand. Er zerstörte den Dachstuhl. Die Glocken stürzten mit großem Getöse in den Läutehof herab, wo sie zerbarsten.

Ein Jahr später, 1677, stiftete der Vogt Johann David Frisch einen neuen Taufstein in die Kirche, an dem als erstes Kind sein Sohn auf den gleichen Namen wie der Vater getauft wurde. Der Sohn studierte Theologie, wurde Professor und schrieb später ein großes Werk über die Psalmen.

Im Jahr darauf, 1678, stellten französische Glockengießer die bis heute erhaltene größte Glocke im Geläute her, die den Namen „Dominica“ (Sonntagsglocke) trägt. Vermutlich zur Wiedereinweihung der Kirche stifteten 1679 die Familien Genkinger und Maßert aus Baiersbronn ein eindrucksvolles kleines Fenster in die Sakristei, dessen Inschrift noch die Erschütterung über den schrecklichen Brand nachempfinden lässt.

Nach weiteren hundert Jahren, 1786, war wieder eine gründliche Renovierung notwendig. Wind und Wetter hatten der Kirche übel zugesetzt. Im Kircheninneren entfernten die Handwerker die Orgel aus dem Chor und stellten sie auf einer neugeschaffenen Empore über dem Westeingang auf.

1838 waren die Balken und das Dach der Kirchturmspitze erneuerungsbedürftig. Der Turm erhielt den Spitzhelm, der ihm bis heute sein charakteristisches Aussehen verleiht.

Um das Jahr 1900 regte der kirchliche Baurat Heinrich Dolmetsch (1846-1908) aus Stuttgart eine Erneuerung der Martinskirche an. Sie erhielt rund um den Chorbogen und an der Stirnwand des Schiffes Malereien im Jugendstil. Ein Künstler schmückte die Kanzel mit vier Tafeln, auf denen die Evangelisten abgebildet waren. Auch Bänke und Altar wurden erneuert. Zum Abschluss der Arbeiten stifteten wohlhabende Nachkommen eines Dornstetter Bürgers 1905 das Auferstehungsfenster an der Ostseite des Chores.

1961 beschloss die Kirchengemeinde eine große Innen- und 1963-64 eine Außenrenovierung. Die im Jahr 1901 gestiftete Kanzel musste einer Neuschöpfung weichen. Die historischen Grabsteine entfernte man aus der Kirche und stellte sie im Kirchhöfle auf, wo sie beinahe der Verwitterung zum Opfer gefallen wären. Die Bilder an der Ostwand des Schiffes wurden abgewaschen und die neue Orgel erhielt ihren Platz wieder im Chor. Die Stadtkirche sollte hell und freundlich sein.

Die letzte große Renovierung von 2000-01 brachte keine grundlegenden Veränderungen mehr, sondern bestätigte lediglich das Vorhandene. 2008 konnte ein Teil der historischen Grabsteine wieder in den Kirchenraum eingebaut werden.

Die Gemeinde freut sich heute sehr über die schöne, geräumige, helle Kirche und kommt an Sonn- und Feiertagen sehr zahlreich zu den Gottesdiensten zusammen. Im Jubiläumsjahr gab es ein umfangreiches Festprogramm. Höhepunkte waren Konzerte mit dem Posaunenchor, der gleichzeitig sein 100-jähriges Bestehen feiern konnte. Der Chor der Martinskirche gestaltete einen Motetten-Gottesdienst mit Bischof Dr. Frank Otfried July. Außerdem gab es eine „church night“ für Jugendliche. Kinderkirchentage, ein Filmabend und ein historisches Kirchplatzfest rundeten das Programm ab.