Die Epitaphien der Martinskirche

Die historischen Grabsteine sind wertvolle Zeugnisse der Ortsgeschichte.

Epitaphien sind historisch bedeutende Grabtafeln. Die in der Martinskirche aufgestellten Exemplare stammen vorwiegend aus dem 17. und 18. Jahrhundert und gestatten einen tiefen Einblick in das Leben, Fühlen und religiöse Denken der Menschen in jener Zeit. Ursprünglich befanden sich die Grabsteine alle im Kirchengebäude, wo die Verstorbenen auch bestattet worden waren. Diese Ehre wurde nur bedeutenden Persönlichkeiten oder deren Angehörigen zuteil.

Die ausgewählten Gedenktafeln sind deshalb wertvolle Zeugnisse der Ortsgeschichte. Sie erzählen anschaulich von der Auferstehungshoffnung der Christen, für die der Tod nicht das Ende, sondern eine Durchgangsstation zum neuen, von Gott geschenkten Leben ist.
Bei einer Kirchenrenovierung im Jahr 1901 wurden die Grabsteine aus der Martinskirche entfernt und im Kirchhöfle, an der Stadtmauer und an der Außenmauer des Chores aufgestellt. Dort waren sie jedoch Wind und Wetter ausgesetzt und drohten dauerhaft Schaden zu nehmen. Deshalb wurden sie wieder entfernt und vorübergehend für mehrere Jahre in einem Schuppen untergebracht, bis sich der Kirchengemeinderat entschloss, einige besonders schöne Exemplare wieder in der Kirche aufzustellen und sie so der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Zehn der insgesamt neunzehn Grabsteine sind nun seit März 2008 im Eingangsbereich der Kirche sowie im Chorraum links und rechts neben der Orgel wieder zu besichtigen.


(Die Reihenfolge der Grabsteine beginnt mit Nr. 1 = erster Stein rechts im Läutehof, von der Stadt her kommend, dann weiter im Läutehof Nr. 2 bis 5, weiter im Chorraum von rechts nach links Nr. 6 bis 9, am Schluss der Grabstein Nr. 10 von Ulrich Etter bei der Pfarrertafel)


Nr. 1: Jacob Schweickert
 langjähriger Bürgermeister und Mitglied im Landtag

 geboren 1543
 gestorben 1613

 Die Inschrift lautet:
 „Im Jahre 1613 starb der vornehme Bürgermeister Jacob Schweickert im Alter von 70 Jahren.
Gott verleihe ihm und uns allen an seinem großen Tag eine fröhliche Auferstehung.“


Nr. 2: Jakob Dikson von Laudin
 ein schottischer Bürger, der im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) als Oberstleutnant für die Schweden gekämpft hat, verstarb hier in Dornstetten vermutlich an der Pest

 gestorben: 1635

 Die Inschrift lautet:
 „Hier liegt begraben der wohledle, gestrenge und mannhafte Herr Dikson von Laudin aus Schottland.“

 
Nr.3: Sohn von Vogt Andreas Bulacher

 geboren: 1614
 gestorben: 1615

 Die Inschrift lautet:
 „Am 23. Januar 1615 starb Andreas Bulacher im Alter von 3 Monaten und 7 Tagen. Sein Seel sei Gott befohlen.“


Nr. 4: Elisabetha Margaretha Schweickhlen
 einzige Tochter des Bürgermeisters und Ochsenwirts Johann Adam Schweickhlen, verstarb im Alter von vier Jahren

 geboren: 1734
 gestorben: 1738

 Auf dem Grabstein befindet sich ein Nachruf der trauernden Eltern:
 „Schlaf, liebes Kind, fein süß
 in dieser kühlen Erden,
 bis wir im Himmel einst
 dich wieder sehen werden.
 Dass du gestorben bist,
 zeigt dieser Grabesstein.
 Bei uns sollst du niemals
 tot und verstorben sein.“


Nr. 5: Johann Adam Schweickhlen
 Bürgermeister und Amtspfleger in Dornstetten, verstarb mit 51 Jahren

 geboren:  1693
 gestorben: 1744

 Auf dem Grabstein befindet sich ein Nachruf der Witwe:
„Mann und Kinde gute Nacht,
nehmt die letzten Abschiedsküsse.
Was den Abschied bitter macht,
macht das Wiedersehen süße.
Ruhet wohl, ihr habt’s vollbracht,
Mann und Kinde gute Nacht.“


Nr.6: Hans Jakob Kraft

gestorben: 1629

 Die Inschrift lautet:
 „Den 18. Brachmonat (Juni) anno 1629 starb Hans Jakob Kraft.
Christus ist uns von Gott gemacht zur Weisheit, zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und zur Erlösung (1.Kor.1,30).“
 
Nr.7: Valentin Wölfing
Verwalter des Johanniterordens, kam als fähiger Klosterverwalter von Affaltrach (Kreis Heilbronn) nach Klosterreichenbach und wurde als Landesbeamter in der Amtsstadt Dornstetten begraben

 gestorben: 1597 in Klosterreichenbach

 Die Inschrift lautet:
 „Hier ruht der ehrenwerte Herr Valentin Wölfing zu Affaltrach, Verwalter des Johanniterordens und eifriger Bekenner des heiligen Evangeliums.
Gott verleihe ihm eine fröhliche Auferstehung.“


Nr. 8: Leonhard Hacker
Pfarrer in Dornstetten von 1621 bis 1635, vermutlich an der Pest verstorben

 gestorben: 1635

 Die Inschrift lautet:
“Am 13. April 1635 starb der ehrwürdige und wohlgelehrte Leonard Hacker.
Der Herr aber wird mich erlösen von allem Übel und mich retten in sein himmlisches Reich (2.Tim.4,18).“


Nr. 9: Catharina Ziegler, geborene Schmid
Frau des Pfarrers Daniel Ziegler

 geboren:  1572
 gestorben: 1617

 Die Inschrift lautet:
“Nach 24 Jahren Ehe ist die geliebte Hausfrau dem Herrn selig entschlafen. Gott verleihe ihr eine fröhliche Auferstehung.
Der Tod seiner Heiligen wiegt schwer vor dem Herrn (Ps.116,15).“


Nr.10: Ulrich Etter, Pfarrer in Dornstetten
Ulrich Etter hatte zentrale Bedeutung für Dornstetten. Er betreute die Stadt 40 Jahre lang von 1635 bis zu seinem Tod 1675. Besonders während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) kümmerte er sich aufopferungsvoll um seine Gemeindeglieder. Im schrecklichen Pestjahr 1635 musste er 275 Einwohner beerdigen. Er kümmerte sich um die verwaisten Kinder, hielt viele Bittgottesdienste und leistete den Pestkranken und Sterbenden Beistand. Dazuhin versorgte er 13 Nachbarorte als Seelsorger, weil die Pfarrer an der Pest verstorben waren.
Sein schlichter Grabstein ist ein besonders eindrucksvolles Zeugnis für einen bescheidenen und gleichwohl hochgeachteten Mann.

 gestorben: 1675

 Die Inschrift lautet:
“Magister Ulrich Etter, Pfarrer in Dornstetten, starb am 3. Dezember 1675.“