Geschichte der Martinskirche

Ein Zeugnis lebendigen Glaubens
 
Seit dem 13./14. Jahrhundert bis heute wurde und wird an und in der Martinskirche gebaut, renoviert, und vor allem Gottesdienst gefeiert.  
 
Die Anfänge des Kirchenbaus in Dornstetten liegen ganz im Dunkel der Geschichte. Die erste urkundliche Erwähnung vom Bestehen einer Kirche stammt vom 12. November 1267. Von dieser Kirche ist jedoch nicht bekannt, wie sie ausgesehen hat. Der älteste noch erhaltene Teil der jetzigen Kirche stammt aus dem Jahr 1410. Ein Grundstein an der Ostseite der Sakristei weist auf diesen Kirchenbau hin. Er hat bei einem Brand im Jahr 1415 stark gelitten. Der Nachfolgebau wurde beim nächsten Brand 1488 wiederum stark beschädigt.


Doch schon 1490 konnte die ausgebrannte Kirche wieder aufgebaut werden. Belegt ist das Datum durch einen Grundstein, der in den Turm eingemauert wurde. Beim Wiederaufbau wurde vermutlich das Kirchenschiff verbreitert. Zugleich wurde an der Westseite der Turm angebaut. Aus dieser Zeit stammt die Form der Kirche, wie sie sich uns heute zeigt.


Der wohl älteste Bauteil ist die Sakristei. Sie wurde früher möglicherweise als Taufkapelle genutzt, denn sie zeigt ein schönes Netzgewölbe mit zwei noch gut erhaltenen Konsolen (= aus der Wand herausragende Steine), die aus dem 13. oder 14. Jahrhundert stammen dürften. Sie stellen einen bärtigen Mann und einen Tierkopf dar. Die Schlusssteine im gotischen Netzgewölbe zeigen eine in Stein gemeißelte Rose und einen Löwen.

Der Chorraum ist das Glanzstück der Kirche. Ein prächtiges Netzgewölbe spannt sich in luftiger Höhe. Die Rippen fußen auf Halbkörperkonsolen mit den Bildern von zehn Aposteln (z.B. Jakobus mit dem Pilgerstab und der St.Jakobs-Muschel aus Santiago de Compostela). Auch die drei Schlusssteine des Netzgewölbes tragen Bilder: Maria als Himmelskönigin ("Mondsichelmadonna"), der Heilige Martin (Namensgeber der Kirche)und das Württembergische Wappen.

Am 8. Mai 1676 fiel die Kirche erneut einem Stadtbrand zum Opfer. Nur der Steinturm und die festen Kirchenmauern blieben rauch- und rußgeschwärzt stehen. Bei der ungeheuren Hitze schmolzen sogar die Glocken zusammen und fielen samt dem Glockenstuhl mit lautem Getöse herab.


Zu dieser Zeit amtierte Johann David Frisch als Vogt in Dornstetten. Wenige Wochen nach dem Stadtbrand, am 21. August 1676, wurde ihm ein Sohn geboren. Anlässlich seiner Taufe stiftete der Vater einen Taufstein für die Kirche, der heute noch benutzt wird. Johann David Frisch wurde in einem Kirchenraum getauft, "aus dem man zum Himmel sah". Er wurde später ein bedeutender Theologe. In den folgenden Jahren 1677 und 1678 wurde die Kirche wieder aufgebaut und erhielt die Gestalt, wie wir sie heute vor uns haben. Nur der Innenraum und der obere Teil des Turmes haben durch Renovierungsmaßnahmen inzwischen einige Veränderungen erfahren. Von dem in jener Zeit angeschafften Geläute existiert heute noch die größte Glocke, die Gloriosa, die von französischen Glockengießern vor Ort hergestellt worden ist. Aus dieser Zeit stammt wohl auch das barocke Altarkreuz.

1838 war die Kirchturmspitze erneuerungsbedürftig geworden. Bei dieser Gelegenheit setzte man dem Turm ein achteckiges Stockwerk mit spitzem Turmdach auf. Seither gibt es einen bequemen Rundgang um den ganzen Turm in etwa 30 m Höhe, von dem aus eine Herrliche Sicht ins weite Land, manchmal bis zu den Schweizer Alpen, möglich ist. Vier Flächen des Stockwerks wurden mit den Zifferblättern der Turmuhr geschmückt.

 

1901 bis 1903 erfuhr die Kirche eine umfangreiche Innenrenovierung im Jugendstil. Als Nachtrag dazu schuf Rudolf Yelin 1905 das herrliche Osterfenster im Chor. Es zeigt den auferstandenen Christus und enthält die Inschrift:

 

"Im Andenken an die Voreltern Lindenwirt Renner von Dornstetten, gewidmet von Urenkel Louis Duvernoy, Stuttgart November 1905.

Ich lebe und ihr sollt auch leben.

Johannes 14,9.

Ausgeführt Paul Saile, Glasmaler in Stuttgart."

 

Die barocken Kirchenglocken, außer der Gloriosa, gingen im ersten Weltkrieg verloren, ihre Nachfolger im zweiten Weltkrieg. Doch bereits 1950 konnte das Geläute mit drei Glocken wieder ergänzt werden.


1961 und 1964 fanden Renovierungsarbeiten außen und innen statt. Die Umgangsgalerie des Turmes wurde samt dem Hauptgesims abgetragen und neu errichtet. Ein Bildhauer fertigte die Wasserspeier für das Achteck neu an. Auch die vier Türmchen auf dem Viereckturm mit Kreuzblumen und Baldachin mussten erneuert werden.

Im Inneren empfand man die Jugendstilmalereien von 1901 als nicht mehr zeitgemäß. Sie wurden übermalt. Die Kirche erhielt einen hellen Innenanstrich. Die neue Orgel, eine Weigle-Orgel, versetzte man aus akustischen Gründen von der Empore in den Chor, und der Taufstein erhielt eine schöne, kupferne Abdeckung. Das große, barocke Altarkreuz erhielt einen neuen Platz links vom Chorbogen.

 

Der Holzaltar schließlich stammt aus den 90er Jahren. Er trägt sonntags ein schönes kupfernes Kreuz mit der Inschrift: "Ich lebe, und ihr sollt auch leben."

Mit dieser Botschaft lädt die Kirche jeden Sonntag zur Feier des Gottesdienstes ein.

 

 

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